Geschichte der Barfüßer in Augsburg

Im Jahr 2011 hat die Barfüßerkirche ihr 600jähriges Jubiläum gefeiert. Wir können auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken.  

 

Die Anfänge

Vor fast 800 Jahren, 1221, noch zu Lebzeiten des Franziskus also, kamen die ersten franziskanischen Brüder nach Augsburg. Von hier aus sollte sich die franziskanische Bewegung in ganz Deutschland ausbreiten. Die Brüder ließen sich am Rand der Stadt nieder, dort, wo die Handwerker und einfachen Menschen lebten: an dem Ort, an dem noch heute die Barfüßerkriche steht. So wurden sie genannt, die Brüder, die als Zeichen der Armut Christi auf festes Schuhwerk verzichteten.

 

Seelsorger und Prediger

Nachdem eine erste romanische Kirche durch einen Brand zerstört wurde, finanzierten der Rat der Stadt und die Bürgerschaft in den Jahren 1407-1411 den Bau einer wesentlich größeren gotischen Hallenkirche - sie sollte die größte ihrer Art in Augsburg und ganz Süddeutschland sein.

Als Seelsorger und Prediger waren die Franziskaner äußerst beliebt - mit ihren Erfahrungen bürgerschaftlicher Verantwortung aus Oberitalien wurden sie ebenso zu wichtigen Partnern in der Entwicklung der Stadtgesellschaft: Die erste Rechtssammlung der Stadt Augsburg entstand in den Mauern des Barfüßer-Klosters.

 

Die ersten der Reformation

Die neuen Lehren der reformatorischen Bewegung wurden in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bald im Kloster aufgenommen: Hier wurde die erste evangelische Predigt Augsburgs gehalten und die ersten Priester verheiratet. Der Konvent löste sich auf, die Barfüßerkirche wurde die erste evangelische Pfarrkirche Augsburgs.

 

Barfüßerkirch 1920Mozart und Schweizer

Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche durch Mathias Lotter und Georg Bergmüller barockisiert und erhielt eine Orgel von Johann Andreas Stein. Auf ihr spielte Wolfgang Amadeus Mozart und später auch Albert Schweitzer. Fast dreihundert Jahre lang wurde hier das Kinderfriedensfest gefeiert und große Jubiläen. Bertolt Brecht wurde hier getauft und konfirmiert und begegnete hier erstmals seinem Lieblingsbuch: der Bibel.

 

Zerstörung und Wiederaufbau

Im Februar 1944 wurde die Kirche durch die Bombenangriffe fast völlig zerstört. Allein der Ostchor mit seinem Gewölbe blieb inmitten der Trümmer stehen. Dieser ehemalige Mönchschor wurde nach dem Krieg als Restkirche erhalten. Die nackten Ziegelwände tragen die Narben der Zerstörung - sie wurden nicht wieder verputzt, sondern wie in den ersten franziskanischen Kirchen nur geschlämmt.

 

Rettung des Christkinds

Christkind von Georg PetelVon der alten Innenausstattung blieb neben einigen ausgelagerten Ölbildern vor allem das "Barfüßer Christkind" erhalten. Die Skulptur von Georg Petel von 1632 zierte ursprünglich den Schalldeckel der barocken Kanzel.

Während einer Bombenpause, so wird erzählt, ging eine Frau aus der Gemeinde in die brennende Kirche, fand das Christkind auf dem Boden liegend neben der zerstörten Kanzel und nahm es mit in den Luftschutzkeller. So blieb das vielleicht anrührendste Ausstattungsstück erhalten.

Heute steht das Christkind auf einem Wandpodest im Chorraum und scheint einem entgegenzulaufen. Ganz heiter spricht es von der Hoffnung, dass ein Anderer als das Zerstören und die Angst das letzte Wort haben wird: der Gott des Lebens.

 

 

Die Kirche heute

Heute ist die Barfüßerkirche ein Ort des Gebetes, der Begegnung und der Gastfreundschaft - ein Ort, an dem sich jeder ungeachtet seiner Herkunft willkommen fühlen soll. Nach fünfjähriger Plaunungs- und eineinhalbjähriger Bauzeit konnte im Oktober 2012 das Ensemble um die Kirche neu eingeweiht werden. Nach der Zerstörung wurden auf den Trümmern der alten Kirche Wohngebäude für Flüchtlinge und ein Innenhof errichtet.

Die Wohngebäude wurden energetisch saniert - und der Innenhof neu gestaltet: Neben einem barrierefreien Zugang zu Kreuzgang und Kirche erinnert er nun auch wieder an seine ursprüngliche Bestimmung als Gottesdienstort.