Herzensgebet unter neuer Leitung

Herzensgebet unter neuer Leitung

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Bildrechte Matthias Möller

Die Gruppe Herzensgebet am Mittwochabend stellt sich vor
Zunächst möchte ich meinen Dank an  Frau Seifert aussprechen. Mit grosser Klarheit, viel Energie und Liebe hat Renate die letzten Jahre unsere Gebetsgruppe  geleitet und durch die Zeit der  Krise durchgeführt. Da ich schon vorher ihre Vertretung bei Abwesenheit war,  begleite ich jetzt die Gruppe. 
Mein Name ist Matthias Möller. Ich bin Katholischer Theologe und Philosoph , freiberuflich als Coach und Trainer tätig und meditiere seit mehr als 40 Jahren. Zunächst in der Kindheit ganz unreligiös aufgewachsen entdeckte ich die Meditation mit 21 Jahren  bei Hochschulexerzitien, die ein Jesuit leitete. Ich hatte meinen Weg gefunden. Drei prägende Jahre von diesen 40 Jahren war ich unbeschuhter (also auch barfüssiger) Karmelit. Der Karmel ist die Ordensgemeinschaft, Inder das innere Gebet den grössten Stellenwert hat.
 
Für mich ist diese Gebetsform nicht anderes, „als das Zusammensein mit einem Freund, von dem ich sicher weiss, dass er mich liebt!“ So nannte das innere Gebet die grosse Teresa. Ja, ich glaube, dass in der christlichen Meditation wir uns der Liebe Gottes überantworten, der uns stärker liebt, als wir selbst oder ein Mensch es je könnte.  Dadurch, dass wir uns im gemeinsamen Schweigen mit Hilfe des Namens Jesus Christi ganz auf  Gott ausrichten, können wir erfahren, wie sehr wir von Gott beschenkt sind. Jesus Christus ist für uns Christen das eine Wort Gottes an und für  uns, in dem alles was ist beschlossen, eingeschlossen und erschlossen ist. Mit dem Namen  üben wir uns nicht nur ein in seiner  Gegenwart zu leben, sondern es wächst auch unsere Achtsamkeit unseren Mitmenschen gegenüber.
 
Meditation ist zwar einfach, aber nicht immer leicht. Wir begegnen manchmal unseren Schatten und unserer Kompliziertheit. Gefühle wie Langeweile oder Unruhe und andere negative Phasen erlebt jeder Meditierende. Das ist nicht nur normal, sondern auch gut, denn im Alltag lassen wir diese oft nicht zu.. Hier erfahren wir unser Menschsein und können unseren Schatten in der Ausrichtung auf Gott integrieren. Da wird die Gruppe wichtig, sie hilft uns durch eine solche Phase zu gehen. Und es  mag ein anderer Gedanke der grossen Teresa hilfreich sein.  Als ihre Schwestern einmal jammerten, wie hart das Leben als Karmelitin wäre, wies sie auf den tieferen Grund christlicher Existenz hin, der auch in unseren Tagen aktuell ist: „Die Welt steht in Flammen!“
So ist Herzensgebet ein Gebet in dem Selbstliebe, Nächstenliebe und Gottesliebe in der Welt und  für die Welt in uns wachsen können. Ich freue mich deshalb auch über den Ort, in der Kreuzkapelle der evangelischen Gemeinde der Barfüsserkirche. Persönlich ist es mir sehr wichtig, dass dadurch der Charakter eines  ökumenisches Gebets unterstrichen wird . Gemeinsam richten wir uns aus und lauschen wir auf Gott, der unser aller Eltern ist und sind geschwisterlich verbunden.
Eine kurze Geschichte vom Heiligen Franz zeigt, um was es beim Herzensgebet geht. Bruder Franz ging einmal mit Bruder Leo durch Umbrien, es war ein klarer und schöner Tag und die Sonne schien. Der Weg führte durch eine Furt an einem kleinen Fluss und so mussten sie durch das Wasser  der Furt waten. Natürlich wirbelten sie jede Menge Schlamm vom Boden auf. Danach wurde Bruder Leo traurig und Bruder Franz legte ihm die Hand auf die Schulter und fragte.“Was ist mit dir, Bruder Leo!“ Bruder Leo antwortete: Beim Anblick des sich trübenden Wassers musste ich an die Verderbnis  meiner eigenen Natur denken!“ Bruder Franz zeigte auf die Sonne und sagte: „ Schau nicht auf deine Verderbnis, sondern auf Gott!“ 
Dieses Schauen  ist unser Weg im Herzensgebet.
Jeder der sich auf diesen Weg befindet oder begeben möchte, ist dazu herzlich von der Gruppe eingeladen. Wir meditieren Mittwochs ab 19.00 zusammen zwei Einheiten, beginnen mit dem Vaterunser, sitzen und schweigen 2x25 Minuten, dazwischen gehen wir meditativ  im Schweigen  und am Ende steht ein kurzer Impuls und Abschlussgebet. Natürlich können Anfänger auch nach 25 Minuten leise den Raum verlassen. Wer zum ersten Mal kommt, möge bitte schon um 18.45 kommen, damit entweder eine kurze Einführung ihm Hilfe gibt oder Fragen besprochen werden können.
Für das Frühjahr ist ein Einführungskurs geplant, dort praktizieren  wir schrittweise für Neueinsteiger die Grundlagen des Herzensgebets und ich gebe Hilfen, die das ruhige Sitzen erleichtern.

Matthias Möller