Karfreitag in St. Jakob

Karfreitag in St. Jakob

Die Jakobs meldet sich an Karfreitag mit  einem Videogruß und einer Andacht zur Sterbestunde   von Pr. Sokol. Außerdem gibt es Vorschläge für Andachten in der Familie hier.

 

 

Andacht zur Sterbestunde Jesu am Karfreitag, den 10.04.2020 in St. Jakob – Augsburg – Dialogpredigt G. Fischer/B. Sokol

 

Beginn: Wir feiern diese Andacht zur Sterbestunde Jesu im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh 3,16)

 

Das ist die gesamte christliche Erfahrung in theologische Sprache gesetzt: es ist Gottes Liebe, die ihn schon im Alten Testament sein Volk nicht loslassen lässt, die sich für alle Welt schließlich darin zuspitzt, dass Gott selbst im Sohn zu uns kommt und sogar Leiden und Tod auf sich nimmt, damit wir Rettung, Hoffnung und Heil haben, hier und in Ewigkeit. Unser Glaube ist unser Vertrauen darauf, dass Gott in Christus etwas getan hat, was für alle Welt gelten wird. Wer Christus vertraut, wer dem Sohn folgt, der wird leben, auch wenn er stirbt und wer da lebt und glaubt an ihn, der wird nimmer mehr vergehen in Ewigkeit.!

 

Confiteor:

Ich bleibe stehen, ich „drehe“ meinen Sinn, ich frage und beobachte, ich sehe, dass ich zurückblieb in Gedanken, Worten und Werken, Gott zu folgen, weil ich nur auf meinen Weg sah, weil mein Eigenes wichtiger war und ist, als die Hilfe, die Liebe und die Vergebung, die ich der Schwester und dem Bruder schenken soll.

 

Woher kommt mir Hilfe? Hilfe kommt vom Herrn, der in Christus Mensch geworden ist, um mit, um uns, ein neues Leben zu schenken.

 

So sprechen wir gemeinsam:

„Der allmächtige Gott erbarme sich uns, er vergebe uns unsere Sünde und führe uns zum ewigen Leben. Amen.“

 

Gebet:

Herr, heute am Karfreitag, sehen und spüren wir besonders intensiv, dass wir in einer Welt leben, in der Gewalt und Macht  mehr und mehr Gewicht haben. Du bist aber gekommen, um uns einen anderen Weg zu zeigen. Hilfe uns zu glauben, mehr zu lieben und alle Hoffnung auf dich zu setzen, das bitten wir dich, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Epistellesung: 2. Brief an die Korinther, Kapitel 5, die Verse 19-21:

19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

 

Worte des Lebens aus dem Evangelium Mk 15,15-23:

15 Pilatus aber wollte dem Volk zu Willen sein und gab ihnen Barabbas los und ließ Jesus geißeln und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt werde.

16 Die Soldaten aber führten ihn hinein in den Palast, das ist ins Prätorium, und riefen die ganze Abteilung zusammen

17 und zogen ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf

18 und fingen an, ihn zu grüßen: Gegrüßet seist du, der Juden König!

19 Und sie schlugen ihn mit einem Rohr auf das Haupt und spien ihn an und fielen auf die Knie und huldigten ihm.

20 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine Kleider an.

Jesu Kreuzigung und Tod

Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten.

21 Und zwangen einen, der vorüber ging, mit Namen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage.

22 Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha, das heißt übersetzt: Schädelstätte.

23 Und sie gaben ihm Myrrhe in Wein zu trinken; aber er nahm's nicht.

24 Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los, wer was bekommen solle.

25 Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.

26 Und es stand über ihm geschrieben, welche Schuld man ihm gab, nämlich: Der König der Juden.

27 Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.

29 Und die vorüber gingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen,

30 hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz!

31 Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen.

32 Ist er der Christus, der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch.

3 Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.

34 Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

 

Einen Moment halten wir an:

Wo würde ich stehen? Unter dem Kreuz? Oder würde ich lieber aus sicherem Abstand zusehen? Was kann ich schon tun, wenn die Macht ihre Gewalt ausübt? Wie soll ich ihm denn helfen, wo er da jetzt schon im Sterben hängt? Ihm folgen in den guten Tagen, ja das ist kein Problem, der Glaube wärmt das Leben, gibt Halt und Sicherheit, schenkt Sinn und Hoffnung. Aber jetzt aufstehen, sich dem Kreuz nähern, ja am Ende selbst die römische Gewalt spüren – will ich das, kann ich das? Natürlich „glaube ich“ - aber bis zu einem möglichen bitteren Ende? Hilf, Herr meines Leben, das ich nicht vergebens, hier auf Erden bin!

 

Mk 15,38-41:

35 Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elia.

36 Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt, lasst sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme!

 

37 Aber Jesus schrie laut und verschied.

 

38 Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.

39 Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!

40 Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria von Magdala und Maria, die Mutter Jakobus' des Kleinen und des Joses, und Salome,

41 die ihm nachgefolgt waren, als er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.

 

Dialogpredigt:

Ein später Donnerstagabend vor dem großen Pessachfest, in Jerusalem. Im Hause des Hohenpriesters Kaiphas

 

Kaiphas: Nun Judas, Iskariot, Mann aus Kerioth oder sollte ich denken, Träger einer Sica, „Sicarier“ also, ein „Zelot“, ein Eiferer für Gott mit Waffen – was willst du hier? Du bist doch einer der Jünger Jesu, des Mannes aus Nazareth – stimmt´s?

 

Judas: Ja, Herr, der bin ich. Ich folge diesem Nazarener seit über zwei Jahren durch Galiläa – und ich habe Dinge gesehen und gehört, die du, die ganz Israel wissen muss!

 

Kaiphas: Und deshalb bist du hier? Willst du mir auch erzählen, was mir meine Späher schon seit längerem mitteilen? Den Weg hättest du dir sparen können!

 

Judas: Nein, Herr, ich bin heute hier bei dir, weil ich weiß, wie du den Nazarener ergreifen kannst! Bist du interessiert?

Kaiphas: Das ist hier kein Geschäft (schreit!), was bildest du dir ein! Glaubst du, ich will den Nazarener einfach so verhaften, weil ich Angst vor ihm habe? Und glaubst du wirklich, ich wüsste nicht von selbst, wo er zu finden wäre?

 

Judas: Herr, ich bin überzeugt davon, dass du keine Angst hast vor Jesus. Du bist so mächtig, dir gehört die halbe Stadt. Nein, ich will dir helfen, dass du mit Jesus direkt sprechen kannst! Du sollst mit eigenen Augen sehen und spüren, welchen Auftrag und welche Macht der Mann aus Nazareth besitzt. Wenn du ihn von dort holst, wo ich es dir beschreiben werde, gibt es kein öffentliches Aufsehen. Wenn du ihn gehört hast, wirst du ihn sofort freigeben, denn er ist, was er sagt! Der Messias ist da! Wir werden siegen gegen die Römer! Endlich, der Tag ist gekommen!

 

Kaiphas: Hast du ihn kämpfen sehen, was kann er? Hat er strategische Kenntnisse? Wird er Rom die Stirn bieten können, den vielen Legionen Einhalt gebieten?

 

Judas: Nein, Herr, Jesus ist anders! Er heilt, er verbindet die Menschen, er schlichtet Streit und begrenzt jede Gewalt. Er bringt das „Reich Gottes“ in unsere Welt, in unsere Zeit, er ist der wirkliche, der wahre und neue Hoffnungskönig Israels!

 

Kaiphas: Ach Judas, wo lebst du? Rom herrscht seit 700 Jahren in der Welt! Seine Legionen haben bis heute alle Aufstände niedergeschlagen; wo sie auftauchen, brennt der Boden. Wo die Soldaten durchziehen, da erstickt die Wirtschaft. Jeder Aufruhr wird mit Feuer und Kreuzigung beantwortet! Du bist ein Phantast, wenn du glaubst, Jesus werde als Messias siegen!

 

Judas: Herr, bitte! So hör doch! Wenn du ihn siehst und sprechen hörst, wenn du ihn heilen sähest und mit ihm sprechen würdest, so wäre alles klar! Ich habe ihn Dinge machen sehen, die keiner sonst kann!

 

Kaiphas: Dann soll ich also dir glauben, dass Jesus der erwartete neue König ist? Und selbst wenn ich es könnte, wenn ich es wollte, wenn ich es würde, was wäre das Ergebnis? Wer herrscht an Stelle der Römer? Herodes? Die Pharisäer? Oder gar die Zeloten? Und wie sähe denn Jesu Gottesreich und Gottesherrschaft aus?

 

Judas: Herr, er sagt immer wieder: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!“ Wer herrschen will, soll den anderen dienen!

 

Kaiphas: Judas, Judas! Was hast du für Flausen im Kopf! Ein Land wie Israel regieren, mit oder ohne Römer, das erfordert Geld, Macht, Truppen und Gewalt – mir scheint, Jesu Rede vom Reich Gottes erfüllt keiner dieser notwendigen Realitäten der Politik! Warum also ihm folgen – das ist doch sinnloser Selbstmord!

 

Judas: Herr, so wie Jesus lebt, redet und handelt, so geht es! Er lebt vor, wie das neue, das andere Leben funktionieren könnte!

 

Kaiphas: Ja, so lebst du, seine Jünger vielleicht und wohl auch Jesus selbst. Aber so ist der Mensch nicht! Ich sage dir Judas, der Mensch ist ein „korruptes Schwein“, Geld allein zählt für ihn, Macht dazu und Herrschaft ausüben, ja am liebsten Gott selber sein wollen, so ist der Mensch, das ist meine Lebenserfahrung! Rom denkt hier genauso! Deshalb keine frommen Sprüche, sondern harte Legionen mit erfahrenen Kriegern, Handwerker des Todes, das ist das wahre Leben!

 

Judas: So ähnlich dachte ich anfangs auch. Aber wenn du ihn kennen würdest, würdest du sofort sehen, es ist ein anderer Weg für die Menschen möglich.

 

Kaiphas: Judas, schau dich um in der Welt! Ich habe Macht und Besitz, ich kann alles und jeden haben, es ist lediglich eine Frage des Geldes, jeder hat seinen Preis! Mein Besitz und meine Geschäfte, glaubst du wirklich, ich wäre bereit, auch nur einen Schekel davon abzugeben, nur um einen lausigen Galiläer sehen zu müssen, der den Laden sofort übernehmen würde. Für wie naiv hältst du mich eigentlich? Es ist besser, das einer stirbt, als das das Volk insgesamt Schaden nähme. So genug, sage mir den Ort, wo wir ihn treffen können! Und sag es gleich, sonst lasse ich dich peitschen und in den Kerker werfen.

 

Judas: Nein, Herr, bitte nicht, ich sage, was ich weiß. Heute Nacht ist er im Garten Gethsemane, vor der Stadt, er wird dort beten, feiern und schlafen!

 

Kaiphas: Siehst du Judas, das ist die Wirklichkeit unserer Welt: eine kleine Drohung, ein wenig Druck, und ein wenig Geld – und alle Türen öffnen sich. Hier hast du 30 Silberstücke, ich danke dir!

 

Judas: Nein, Herr bitte, so nicht! Es geht mir nicht um das Geld, es geht um den neuen König der Juden! Ich will das Geld nicht!

 

Kaiphas: Nimm es und geh, bevor ich es mir anders überlege! Geh, ich sorge mich um den Mann aus Nazareth. Ich will ihn sehen und hören! Und dann werden wir sehen, was sich ergeben wird.

 

Judas: Herr, so habe ich das nicht gewollt – Gott sei meiner Seele gnädig!

 

Kaiphas: Mit „Gott“ hat dies alles hier gar nichts zu tun! Gott ist Gott und Mensch ist Mensch, wir kümmern uns hier um das Heute. um das Leben – natürlich im „Namen Gottes“! Geh jetzt, ich habe genug gehört! Wachen! Begleitet diesen da aus dem Palast, ich habe genug!

 

Judas aber ging dahin – und erhängte sich! Jesus aber wurde verhaftet, verhört, geschlagen und gekreuzigt. Kaiphas regierte „im Frieden Roms“ weiter ... Seit dem dritten Tage aber, ist die Welt eine andere geworden. Wie ein Samenkorn in die Erde fällt und wächst und ganz groß wird, so hat Jesu Reich, Gottes Reich, das Reich des Heiligen Geistes begonnen, zu wachsen. Und wo immer Menschen durch den Nazarener ergriffen werden und Gottes Geist sie verändert, da werden neue Menschen aus den alten Gestalten. Eine neue Schöpfung beginnt zu wachsen! Auch wenn ich am Karfreitag nur das Kreuz, den Schmerz, das Leid und den Tod sehe, so ist am Morgen des Ostersonntags Neues geworden; wo ich dem Auferstandenen folge, lebe auch ich ein anderes Leben. Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr aber kommt!

 

Fürbitten:

Herr, wir denken an die Menschen, die um deinetwillen verfolgt, vertrieben, zerschlagen werden. Wir leiden mit ihnen.  Wecke du Helfer, die ihnen beistehen, fange an und nimm uns!

 

Herr, wir denken an die Flüchtenden, die Leid und Krieg erfahren und aushalten müssen. Wecke du Helfer, die ihnen beistehen, fange an und nimm uns!

 

Herr, wir denken an dein Wort, dass wir wie Schafe unter die Wölfe gesendet sind. Wecke du Helfer, die deine Herde schützen, fange an und nimm uns!

 

Herr, wir denken an dein Leiden, dass sich jeden Tag immer und immer wieder wiederholt. Wecke du Helfer, die den Leidenden helfen, fange an und nimm uns!

 

Herr, wir denken daran, wie viele mächtige Kräfte es in der Welt, die deinen Frieden nicht wollen, die lieber auf Gewalt und Terror setzen! Wecke du Helfer, die dies ändern wollen und können, fange an und nimm uns!

 

Herr, wir denken an deine Liebe, die so vieles miteinander verbunden hat, Religionen und Menschen in der Welt. Wecke du Helfer, die dein Friedenswerk weiter bauen, fange an und nimm uns!

 

 

Gemeinsam beten wir Jesu Gebet:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns Heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigen – und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Amen.

 

 

Segen:

  • Der Herr, der in Christus Mensch geworden ist, der segne dich!
  • Der Herr, der der Welt die Hand zur Versöhnung reicht, bis heute, der segne dich!
  • Der Herr, der durch seine Kraft unsere Gemeinschaft stärkt und ruft, der segne dich!
  • So segne dich der barmherzige und gute Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. + Amen.